Keine Deutsche Esskultur bei der Imbissbude Fischweier

Gemeinhin versuche ich Hoffnungen und Erwartungen bei Imbissbuden nicht ausufern zu lassen. Wir alle wissen ja, was dann passiert. Ganze Völker können ausrasten.

Da waren mal um die siebzehn Millionen Menschen an die vierzig Jahre hinter einer Mauer versteckt (DDR) und dort war die Deutsche Esskultur wirklich auf Halbmast und viel tiefer als bei der Imbissbude Fischweier. Gut abgeschottet von der Welt – und dann war diese Idylle plötzlich vorbei. Ein dicker Mann (Helmut Kohl) ruft in die Masse; morgen werden die Landschaften blühen. Die Leute denken sich natürlich was dabei. Sehen vor ihrem inneren Auge das, was sie immer im Fernsehen sahen. Jetzt ist für alle Dallas. Sofort und hier!

Als sie dann merken, dass ihre Hoffnungen enttäuscht wurden – so was dauert immer – wurden sie natürlich ärgerlich.

Enttäuscht schlagen diese dumpfen Menschen irgendjemanden auf den Kopf. Der sollte aber in jedem Fall schwächer sein als der dicke Mann mit seinen blumigen Versprechen. Auch denkt keiner daran sich mal die vorzunehmen, welche die eigentlich gute Ausgangssituation – man sprach von Friedensdividende und dem Ende der Geschichte – versemmelt haben. Also versuche ich mich vor zu großen Erwartungen zu schützen um nicht einer großen Enttäuschung anheimzufallen.

Imbiss Fischweier Frontal

Als die welken Blätter noch im Wald lagen und die Neuen auf sich warten ließen, spazierten wir gelegentlich durch ein Waldstück in dem nördlichen Schwarzwaldtal zwischen Ettlingen und Bad Herrenalb und trafen auf die Imbissbude Fischweier. Das kann man echt machen. Auch wenn der Schwarzwald hier nicht mehr berühmt ist, so sind doch seine Ränder ausgesprochen reizvoll.

Im Verlauf eines solchen Spaziergangs erreichten wir also Fischweier und sahen die im Winter geschlossenen Imbissbude. Das anmutige Schild mit dem Fisch war gut zu erkennen und in der Nähe ist eine Forellenzucht. Es gehört nicht viel dazu, sich die beiden Tatsachen – Bude und Zucht – in einer überaus glücklichen Symbiose vorzustellen. Frisch geräucherte Forelle. Schon beim Schreiben oder gar denken dieser drei Worte geschieht Sonderbares in meinem Gaumen und ich muss unwillkürlich schlucken.

Landschaft Fischweier

Das Jahr geht ins Land. Man ist mordsmäßig beschäftigt und testet Imbissbuden überall. In Berlin sucht man die ideale Currywurst.

In Thüringen deren Rostbratwurst, in Köln eine Mett und im Vogtland wird man besonders überrascht. Auch ein Fischbrötchen kam dazwischen und in Siegen war Garnix zu finden. Zumindest was Imbissbuden anbetrifft. Mit dieser Enttäuschung kann ich umgehen, weil ich noch einmal einige Tage an diesem Ort bin und die Hoffnung nie aufgeben werde eine Imbissbude zu finden.

Zwischen den diversen Reisen war es mir jetzt gegönnt, einen Ausflug zum Imbiss Fischweier zu unternehmen.

Wir suchten uns einen halbschönen Tag aus. Da endlich der Test anstand, ist weder Hitze noch Kälte gut. Wir dachten Leichtes zu uns zu nehmen. Fisch mit Omega 3 Fettsäuren und damit ein Stück des ewigen Lebens. Die Imbissbude sah gut aus. Die Sonnenschirme waren – gegen den Regen – extra geöffnet wurden und einige Handwerker warteten exakt um 14:16 Uhr auf ihren nahen Feierabend. Der Geruch war schon von Weitem ausgesprochen verdächtig und dämpfte unsere Erwartung jäh, aber eine Umkehr war unmöglich, da ich im Auftrag handelte. Kein Buchenholz eines Räucherofens, sondern Frittenfett in dem Zustand, wie es in einem alten 200 D Benz zum Zwecke der Fortbewegung verbrannt wird.

Das Cordon bleu a la carte war nicht gut

Meine Partnerin bemitleidet mich nach diesem Erlebnis wegen meines Berufs als Imbissbudentester war aber doch so mutig die Probe mit mir zu bestehen.

Ein Schnitzel und ein Cordon bleu wurden die Kandidaten unseres Tests, denn ich wollte nicht unfair sein. Die Bratwurst sah aus, als könne sie nicht bestehen und Currywurst am Rande des Schwarzwaldes muss nicht sein. Ein gewöhnliches Schnitzel ist was Internationales und Cordon bleu sowieso. Ich kann es nicht beschwören, würde jedoch eine Wette eingehen. Das Schnitzel kam mit einiger Sicherheit fertig paniert und tief gefroren aus der Packung eines Großhändlers. Gastronomen dieser Art verwenden gerne Horeca Select Schweineschnitzel paniert das Stück zu einem EURO.

Imbissbude Fischweier ist mäßig

Nach dem Genus eines solchen Teils incl. einiger Pommes frites in der Imbissbude Fischweier kann ich Frau Künast verstehen.

Wenn man bei der Imbissbude Fischweier gegessen hat denkt man schon mal an einen Veggieday und wie man die Menschheit vor solch einem Essen schützen kann. Wie soeben angedeutet ich bin ein Politikerversteher und kann mir jetzt vorstellen, wie die Idee mit der vegetarischen Boulette von Frau Künast zustande kam. Zumal seitdem der Regierungssitz in Berlin ist, welches nicht für kulinarischen Hochgenuss sondern eher für Flughäfen einige Berühmtheit erlangt hat. Warum jedoch im Südwesten, einige Kilometer Luftlinie von Baiersbronn – mit insgesamt acht Michelin-Sternen – sich solch ein kulinarischer Totalausfall ereignen kann, ist mir unbegreiflich.

Freilich muss kalkuliert werden und der Imbissbudenbesitzer wird weder reich noch hat er eine Klientel, die ihn dazu macht.

Angeraten sei ihm oder ihr dann aber doch Weiterbildungen zu besuchen. Zum Beispiel indem man in den Thüringer Wald reist und da abguckt, wie man einen Imbiss betreibt und doch ein Mindestmaß an Esskultur bewahrt. Mit ein wenig Handarbeit und frischer Ware sowie einem Gefühl für Lebensmittel kann man viel erreichen. Jedenfalls sollte man vermeiden, gefrorene, panierte Schnitzel in heißem alten Fett zu erhitzen. Das hat selbst das schlechteste Fleisch nicht verdient.

Imbiss Fischweier in ganzer Größe

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