Sauer oder Blaue Zipfel sind eine Wurstspezialität

Saure Zipfel auf dem Teller angerichtet

Vieles muss heutzutage geschützt werden – die Wurstkultur gehört dazu.

Saure oder Blaue Zipfel sind eine Wurstspezialität der besonderen Art. Ihr Vorkommen ist auf den fränkischen Bereich beschränkt. Wobei, und hier wird es gleich mal ernst, Zipfel auch ein verniedlichender Ausdruck für den kindlichen Penis ist. Da schmettere ich mal gleich ein männliches #meToo in den Raum. Aber ein bisserl so aussehen tuen die Saure oder Blaue Zipfel schon.

Saure Zipfel im Topf

Die Zubereitung ist ganz einfach.

Die Nürnberger Bratwürstel werden in einem Sud erhitzt. Dieser wird folgendermaßen zubereitet. In mit ein wenig Wasser verdünntem Weißwein wird eine Schuss Essig geben. Dann reichlich geschnittene Zwiebelringe in die Weinmischung geben und mit Salz und Zucker abschmecken. Lorbeerblätter, Pfefferkörner, Nelken und Wacholderbeeren kommen dazu. Dies zusammen mit den Zwiebeln weich- aber nicht zerkochen. In diesem Sud die Nürnberger Bratwürste sanft erhitzen und schon hat man seine Saure oder Blaue Zipfel genannten gekochten Bratwürste.

Es ist nicht bekannt ob dieses Gericht entstand, als die Holzkohle eines Tages ausgegangen war. In den Zeiten der sogenannten großen Holzkohlenkrise, als es in der DDR nur im Intershop Holzkohle für harte Währung gab, kann es ja nicht passiert sein. Nürnberg war schon damals zu weit weg.

Wursthäusel an der St. Sebald Kirche Nürnberg

Ich habe diese Spezialität im Bratwursthäusle in Nürnberg zu mir genommen.

Vermutlich war ich der einzige Deutsche, denn an meinem Tisch wurde chinesisch gesprochen und nebenan amerikanisch. Es flogen kein Fetzen und niemand hat mit einem Embargo gedroht.

Was sagt uns das? Die Bratwurst an sich, und die Saure oder Blaue Zipfel genannten ungebratenen Bratwürste im Besonderem, sind friedensstiftend.

Weitgehend unbekannt ist dagegen, dass ohne die mittelalterlichen Wurstküchen keine unserer großen Dome und Kathedralen entstanden wäre. Denn deren Aufgabe war es die hungrigen Bauarbeiter zu sättigen. So steht auch die älteste noch erhaltene Wurstküche  in der Nähe des Regensburger Doms. Auch das Nürnberger Bratwursthäusel steht direkt neben der Kirche St. Sebald in Nürnberg. Ob jedoch auch zu Zeiten des Kirchenbaus acht der kleinen, nicht eben sattmachenden, Saure oder Blaue Zipfel genannten gebrühten Bratwürste 10,70 € kosteten ist nicht überliefert.

Letztendlich kommt es immer auf den Mindestlohn an. Und ohne Wurst keine Baukultur – Bier gehört ohnehin dazu.

Sollten Sie nach dieser Lektüre noch an weiteren Wurstbudengeschichten Interesse haben so folgen Sie bitte diesem LINK

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