Saure oder blaue Zipfel

Eine in einem Sud erwärmte Bratwurst, ist eher außergewöhnlich.

Die Franken und Oberpfälzer mögen Saure- auch blaue Zipfel genannt – oder vielleicht auch nicht? In einem Zeitungsartikel lese ich, dass diese, hier blaue Zipfel genannten, erwärmten Bratwürste am 9.November 1969 von einem Gastronomen aus Biebelried erfunden wurden.

Saure oder blaue Zipfel sind Nürnberger Bartwürste

Meine eigene Erfindung, die frittierte und inzwischen kopierte Weißwurst, hat noch nicht solch eine Verbreitung gefunden, obwohl von einem Gastronomen auf der Grünen Woche 2018 mit großem Pomp als seine eigene Kreation vorgestellt.

Das Internet ist immer auch Beweismittel. Mein Volksküchen-Eintrag, nach dem Artikel des Münchner Merkurs – dessen Behauptung übrigens nie richtiggestellt wurde, auf dem zweiten Platz in der Google-Suche, wurde 2008 erstellt. Also die Erfindung der frittierten Weißwurst datiert auf das Jahr 2008. Damit ist eindeutig bewiesen, dass ich der alleinige Erfinder der frittierten Weißwurst bin. Und dies, ich betone es ausdrücklich, als Sachse, welcher derzeit in der badischen Diaspora lebt!

1969 war man eventuell noch nicht so empfindlich. Aber Zipfel – und dann noch blau – ist eine eindeutige Anspielung auf das männliche Geschlechtsorgan – den sagenumwobenen Penis und zugleich eine unverschämte Provokation. Denn mit dem Ende eines Tuchs, auch Zipfel genannt, hat eine im sauren Sud erwärmte kleine, arme Wurst eher wenig zu tun. Dies kann nicht als Ausrede diesen.

Schreien wir Männer ob dieser Verunglimpfung unsers besten Stücks #MeToo? Nein wir bleiben gelassen und ignorieren auch das höhnische Grinsen und die Kommentare der Damen am Tisch, wenn das besagte Gericht mit dem schnippischen Kommentar der Bedienung – hier Ihre blauen Zipfel der Herr – serviert wird.

Aber nun zur Zubereitung:

Sie benötigen für 6 Portionen

24 Nürnberger Rostbratwürstchen
500 g Zwiebeln weiß
2 EL Kräuteressig
½ Liter Wasser
Ein Glas trockenen Riesling (Artgerecht aus Franken)
½ Löffel Zucker
Eine Prise Salz
4 Lorbeerblätter, frisch gemahlenen weißen Pfeffer und 6-7 Wacholderbeeren

Die Zwiebeln werden in feien Scheiben geschnitten und zur Seite gelegt, bis der Sud so um die 15 Minuten lang geköchelt hat.

Dann geben Sie die Zwiebeln in den würzigen Sud und kochen diese Bissfest. Reduzieren die Hitze und geben die kleinen Zipfel dazu. Diese sollten ungefähr 10 Minuten in dem heißen Sud durchziehen. Aber nicht kochen.

Serviert wird in der Regel mit eine Bretzel. Dieses Gericht sollte man mal probieren. Es ist aber nicht Jedermanns und auch nicht jeder Frau ihre Sache.

Sollten Sie gelegentlich in Nürnberg sein, so besuchen Sie doch das Bratwursthäusel. Da finden Sie die blauen Zipfel.

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